Erstmals verlieh der Bund jüdischer Soldaten im Rahmen der Jahrestagung 2007 die neu gestiftete Bernhard-Weiß-Medaille für Verständigung und Toleranz.
Zur Person
Dr. Bernhard Weiß, geboren im Jahre 1880, studierte nach dem Abitur im Jahr 1900 Rechts-wissenschaften in Berlin, München, Freiburg und Würzburg und schloss das Studium mit der Promotion ab. Er absolvierte 1904/1905 eine Ausbildung zum Reserveoffizier: Als Freiwilliger eines leichten Kavallerieregiments in Bayern erhält er 1906 das Reserveoffizierpatent, 1908 wird er Leutnant der Reserve: In der Königlich-Bayerischen Armee eine extreme Ausnahme, im Preußen dieser Zeit für einen Juden schier unmöglich. 1909 wird er Gerichtsassessor, dann Amtsrichter. Im Ersten Weltkrieg stieg er zum Rittmeister auf und wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter und erster Klasse ausgezeichnet.
Im Sommer 1918 wurde er als Stellvertretender Leiter der Kriminalpolizei in Berlin in den Polizeidienst aufgenommen, 1925 wurde er Chef der Kriminalpolizei und 1927 Vizepolizeipräsident.
Kein Anderer hat den aufkommenden Nationalsozialismus in der Weimarer Republik so energisch bekämpft wie der „Vipoprä“ — so nannten ihn liebevoll die Berliner. Weiß war Mitglied der DDP (Deutsche Demokratische Partei), später der "Staatspartei" - einer liberalen Sammlungsbewegung. Er griff als Beamter der Republik gegen Rechtsbrüche systematisch durch. Bernhard Weiß leitete den Staatschutz und befehligte die Einsätze der Berliner Polizei. Die Ermittlung der Mörder Walther Rathenaus unter ungewöhnlicher Einbeziehung der Presse galt als sein Verdienst. In den Jahren vor der „Machtergreifung“ stand sein Name ständig in den großen Berliner Zeitungen, insbesondere weil er einen erbitterten, öffentlichen Kampf gegen Joseph Goebbels, den Gauleiter der NSDAP von Berlin und Brandenburg, führte und dessen großer Gegenspieler war.
Goebbels startete eine beispiellose Hetzkampagne gegen Weiß, den er in seinem Naziblatt "Der Angriff" Isidor nannte. Immer wieder erschienen Schmähartikel verziert mit Isidor-Karikaturen der übelsten Sorte. Mit Weiß als "Isidor" hatte Goebbels seinen idealen Feind gefunden: Jude und Repräsentant der Republik, im Nazijargon "Vertreter des Systems". "Isidor ist das von Feigheit und Heuchelei entstellte Gesicht der sogenannten Demokratie", pöbelte Goebbels. Seine Polizeibeamten wurden von den Nazis als "Weiß-Gardisten" oder "Isidorianer" verhöhnt. Weiß schlug zurück und überzog Goebbels mit zahlreichen Prozessen, die er alle gewann. Er unterstrich: "Die Zeiten sehen für uns Juden gewiss nicht rosig aus. Eine Welle des Antisemitismus hat sich über unser deutsches Vaterland ergossen, von der wohl kein einziger Jude verschont bleibt. Nichts Unwürdigeres und Erbärmlicheres aber gibt es in solcher Lage, als schwächlich und mutlos den Kampf aufzugeben. Je mehr man uns angreift, desto lebendiger und kraftvoller wollen wir aufrechten, selbstbewussten deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens uns zur Wehr setzen."
Im Zuge des sogenannten Preußenschlags vom 20. Juli 1932, der Beseitigung des "republikanischen Bollwerks", wurde er durch die Papen-Regierung zum Rücktritt gezwungen. Im Sommer 1933 stand der Name Bernhard Weiss auf der ersten Liste der Ausgebürgerten. Das Vermögen des Ausgebürgerten wurde konfisziert. Als die Nazis ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt hatten und SA seine Wohnung am Steinplatz 3 stürmte, konnte er gerade noch durch den Hinterausgang entkommen: vom Hotel Adlon zu Verwandten nach Hamburg, vom Kohlenkeller einer Berliner Pension über die grüne Grenze nach Prag, nach London ins Exil, wo er ein kleines Unternehmen für Bürobedarf aufbaute.
"Es ist mein sehnlichster Lebenswunsch, nach Berlin zurückzukehren," schrieb Weiss am 22. Dezember 1949 wenige Wochen nach einem Besuch in Berlin an den Berliner Oberbürgermeister Ernst Reuter. Dieser Lebenswunsch sollte sich nicht mehr erfüllen, da er schwer erkrankte. Am 29. Juli 1951, kurz vor seinem 72. Geburtstag, starb er in London. Unmittelbar vor seinem Tod erreichte ihn aus Deutschland die Nachricht über seine Wiedereinbürgerung.
"Er war ein Mann der Gegensätze, ein Jude, geprägt von preußischen Tugenden, klein von Statur, groß im verantwortlichen Handeln und ein überzeugter Demokrat," schrieb Uwe Dannenbaum in der "Welt" anlässlich der Benennung des Vorplatzes am Bahnhof Friedrichstraße nach dem ehemaligen Polizeipräsidenten. Der Film „Der Mann, der Goebbels jagte“ (2005) von Reiner Brückner und Mathias Haentjes setzt ihm als entschiedenen Verfechter der republikanischen Ordnung ein Denkmal.
Verleihung 2007
Ausgezeichnet wurde Oberst Bernhard Gertz, Vorsitzender des Bundeswehr-Verbandes. »Sie sind engagierter Sachwalter und Verteidiger der Grundsätze Toleranz und Verständigung in der Bundeswehr«, würdigte Michael Berger den Geehrten. »Dies waren auch die Prinzipien, die Dr. Bernhard Weiß vertrat.
Ausgezeichnet wurde Dr. Peter Struck, Bundesverteidigungsminister a.D. und Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. »Sie sind ein Mann der Tat und nicht nur der Worte, sind stets konsequent gegen Rechtsextreme in und außerhalb der Bundeswehr vorgegangen und haben sich so sowohl um die Belange der jüdischen Soldaten, des Bundes jüdischer Soldaten als auch um die jüdische Gemeinschaft in Deutschland insgesamt besonders verdient gemacht«, hob Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland hervor. Als Beipiele nannte sie sein beharrliches Einsetzen für ein NPD-Verbot, die Tilgung aller belasteten bzw. mit dem Selbstverständnis der Bundeswehr als Parlamentsarmee in einer Demokratie nicht vereinbaren Namen von Kasernen und Verbänden der Bundeswehr während seiner Amtszeit als Verteidigungsminister sowie die Entlassung des unter anderem durch rechtslastige Äußerungen aufgefallenen General Günzel.
Verleihung 2009
Ausgezeichnet wurde am 6. Juli 2009 in einer gemeinsamen Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung und des Bundes Jüdischer Soldaten der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Reinhold Robbe. Frau Anke Fuchs, die Vorsitzende der Friedrich-Ebert-Stiftung, begrüßte die mehr als 300 Gäste, unter ihnen der Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr Generalleutnant Johann-Georg Dora. In ihrer Laudatio würdigte die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Frau Dr. h.c. Charlotte Knobloch, die herausgehobene Stellung des Wehrbeauftragten innerhalb des deutschen Verfassungsgefüges als weltweit einmalige Einrichtung, die sich als große Errungenschaft der Demokratie auch zum Schutz vor inneren und äußeren Gefahren nicht zuletzt als Institution des Dialoges bewährt habe. Einen entscheidenden Betrag hierzu habe Reinhold Robbe geleistet, der sich mit einem überdurchschnittlichen Maß an Wachsamkeit gepaart mit einer hohen sozialen und emotionalen Kompetenz seiner schwierigen Aufgabe angenommen habe. Als gewissenhafter Wächter und als loyaler Ansprechpartner werde er zum Wohl der Soldatinnen und Soldaten tätig und scheue sich dabei aber auch nicht den Finger in die Wunde zu legen und Probleme wie rechtsextremistische Tendenzen in der Truppe offen und deutlich anzusprechen. Bernhard Weiß und Reinhold Robbe stimmten so überein in ihrem Dienst für die Demokratie und ihr bürgerschaftliches Engagement. Reinhold Robbe gab in seiner Dankesrede das Versprechen ab, nicht nachzulassen bei seinen Bemühungen antisemitischen und rechtsradikalen Bestrebung in allen Bereichen des öffentlichen Lebens, auch in der Bundeswehr entschieden entgegenzutreten